Durch 3 Siebe reden

Jeden Monat bekomme ich von der Paulus Gemeinde Lichterfelde den Paulusbrief. Er beginnt mit einem Kommentar zum Monatsspruch.
Der lautet d
iesesmal:

Redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist,
damit es Segen bringe denen, die es hören.” Lk 17,21
Zu ergänzen ist: Und dem, der redet.

Im Info ‚Die Bibel als Informationsquelle‘ wird festgestellt, dass die Bibel 2 Arten Aussagen enthält: religiöse und realistische. Dieser Spruch ist ein Beispiel für die realistischen. Sie gehören zum Erfahrungsschatz der Menschheit, sind religionsunab-hängig. Was für die Bibelaussagen gilt, gilt auch für ihre Interpretationen durch die Kirchen-verkünder.  Ein Beispiel ist der Kommentar:

Liebe Leserin, lieber Leser,
die Art und Weise, wie Menschen über sich und ihre Umwelt reflektieren und wie sie das dann kommunizieren, ist einzig in der Schöpfung, zeichnet uns aus gegenüber allen anderen Geschöpfen. Das ist eine Gabe und eine Aufgabe.
Gesprochene (und nicht gesprochene) Worte können enttäuschen oder ermutigen, einreißen oder aufbauen, können Hoffnungen zerstören oder Wunder wirken.

Gabe und Aufgabe tragen auch immer Verantwortung in sich. Davon erzählt eine kleine Weisheitsgeschichte, die Sokrates, dem Mullah Nasreddin Hodscha und anderen Weisen zugeschrieben wird, die Geschichte von den drei Sieben:

Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und sagte: „Höre Sokrates, das muss ich dir erzählen!‘
Halte ein!‘ – unterbrach ihn der Weise, „Hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?‘
Drei Siebe?, der andere voller Verwunderung.
Ja, guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?‘
Nein, ich hörte es erzählen und….
So, so. Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, gut?‘
Zögernd sagte der andere: „Nein, im Gegenteil….
Hm ….‚ unterbracht ihn der Weise, „So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?“
Notwendig nun gerade nicht…“
Also‘ sagte lächelnd der Weise, „wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit“

Dass solche Geschichten in Variationen immer wieder an verschiedenen Orten, zu verschiedenen Zeiten auftauchen, zeigt für mich, wie sehr sie dem Herzenswissen entsprechen, das wir Menschen tief in uns tragen. Manchmal (und manchmal auch manchmal zu oft) trage ich dies Herzenswissen so tief in mir, dass ich selber nur noch mühsam einen Zugang dazu finde. Gut, wenn ich freundlich daran erinnert werde!

Das Bibelwort, das uns im Februar als Monatsspruch begleitet, weist in eine ähnliche Richtung wie die obige Geschichte – und noch einmal weit darüber hinaus:

In seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus schreibt der Apostel Paulus vom „neuen Wandel in Christus“. Er braucht dafür das Bild vom „neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist“, der neue Mensch, den die Getauften „anziehen“ wie ein neues Gewand. Solchermaßen bekleidet verbieten sich Lug und Betrug, Lästereien und Diebstahl. Denn: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Heiligkeit sind Kennzeichen des neuen Menschen. Erweisen wird sich dies im All der Tage, im Umgang mit den Menschheitsgeschwistern – und auch in der Art und Weise, wie ich rede.

Religiös wird die Aussage mit der Formulierung: „und (weist) noch einmal weit darüber hinaus.“ Das wird hineininterpretiert, erkennbar ist es nicht. ‚Segen‘ ist ein Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch.     Niemand wird durch die Taufe zum „neuen nach Gott geschaffenen Menschen“. Dann gäbe es das Rede-Problem nicht und keine anderen, dann gäbe es das Paradies. Den neuen gottgleichen Menschen zu schaffen, ist unsere Lebensaufgabe. Das formuliert Paulus in Kolosser 3:10 so:

„Kleidet euch mit der neuen Persönlichkeit,die durch genaue Erkenntnis erneuert wird nach dem Bilde dessen, der sie geschaffen hat.“

Unsere Gottgleichheit als Ziel unserer Bewusstwerdung über Gottes mathematisch-physikalisches Wesen steht in 3. Mose 19:2, Matthäus 5:48, 2.Timotheus 3:17.