Das Leid unbewusster Evolution

Das Leid unbewusster Evolution – und der Ausweg

Anlässlich der Aufstände in Tunesien und Ägypten beleuchtet Hellmuth Karasek in der Berliner Morgenpost am 6. Februar 2011 die tragischen Vorgänge, die sich vor, während und nach Revolutionen abspielen:

Die Kinder der Revolution

Revolutionen gelten in der Historie als Purgatorien: reinigende Fegefeuer der Weltgeschichte. Sie sprengen altes, erstarrtes Unrecht in einer gewaltigen Explosion aus Blut und Pulverdampf hinweg, sie brechen verkrustete soziale Strukturen auf, sie schaffen, wenn auch blutig, Bahn für das Neue.

„Durch Nacht zum Licht“, oder wie es Marx und Engels im „Kommunistischen Manifest“ formuliert haben: „Ihr habt nichts zu verlieren als eure Ketten.“ Mit Schillers Worten: „Das Volk, zerreißend seine Kette, zur Eigenhilfe schrecklich greift!“ Delacroix‘ berühmt-pathetisches Bild „Die Freiheit führt das Volk an“ ist das Bild der Revolution schlechthin: Marianne mit entblößter Brust und gereckter Trikolore, sich aus einem Berg von Leichen erhebend.

Erleben wir jetzt eine solche Befreiung? Und können wir ihr leuchtenden Auges sogar bequem aus dem Fernsehsessel folgen? Ein Tyrann wird gestürzt, ein kleptokratisches, 30 Jahre lang erstarrtes Regime aus blinder Gier und korruptem Terror von der Straße durch die Straße weggefegt. Ist das so, in Ägypten und in Tunis? Wir wissen inzwischen, wie Revolutionen wirklich ausgehen. Es ist wahr, unerträgliche Zustände werden beseitigt und kommen so nicht wieder. So nicht!

Aber meistens noch schlimmer. Auf die Französische Revolution folgte der Jakobiner-Terror, Blutbäder in der Gironde und in Lyon, die Guillotine wütete in Paris. Napoleon wurde Kaiser und Diktator, der mit seinen Armeen Europa verwüstete. Delacroix malte in Wahrheit die Folgerevolution: die von 1830. Die Oktoberrevolution verwandelte sich in eine der furchtbarsten Repressionskatastrophen der Menschheit mit Millionen unschuldiger Opfer in Russland, in China, in den Satellitenländern, die an Hunger und in Arbeitslagern starben. Eine Folge des französischen intellektuellen Revolutionsradikalismus war Pol Pot auf den Spuren von Maos grässlicher Kulturrevolution.

Pol Pot schaffte sogar das Geld als Wurzel allen Übels ab und mordete Millionen. Was waren wir erleichtert, als der Schah von Persien und seine anachronistisch-korrupte Pfauenthron-Regierung stürzte. Was sind wir bedrückt, wenn wir auf Khomeini und die Folgen heute blicken. Das Sprichwort sagt: Die Revolution frisst ihre Kinder. Sie ermordet auch ihre Kindeskinder und betrügt Generationen um ihr Leben. Aber vielleicht mag man sich mit dem Schweizer Historiker Ernst Meyer trösten, der konstatierte: „Das Einzige, was die Geschichte uns lehrt, ist, dass sie uns nichts lehrt.“
Zitat Ende

Der Ausweg:  Bewusste Evolution

Diese konzentrierte Zusammenfassung verschiedener Revolutionen macht nicht nur deren Leiden besonders deutlich, sondern unsere Dummheit bezüglich Ursache, Verlauf, Ergebnis und Lernunfähigkeit.
Revolutionen sind nur notwendig, wenn die Evolution versäumt wird.
Sie wird überall versäumt, in allen kleinen und großen Gemeinschaften und im Leben jedes Einzelnen, wo nicht bedacht wird, dass wir ein Übergangszustand sind auf dem Weg der Energie bzw. Weltursache von ihrem Ursprungszustand zu ihrem optimalen Sein.  Sie wird überall versäumt, wo wir unser Bewusstsein nicht benutzen, um zielstrebig das optimale Sein zu erreichen.

Aus der laufenden Weltentwicklung kann sich niemand in einen anderen Lebensbereich entfernen. Alle Organismen können nur wählen zwischen bewusster und unbewusster Teilhabe an der Höherentwicklung. Ursache für Revolutionen ist unser Verharren in unbewusster Evolution, dem Kennzeichen für Tiere. Dabei liegt die Information über Ziel und Weg der Weltentwicklung seit 150 Jahren vor,  allgemeinverständlich von Darwin beschrieben.

Organismen in unbewusster Evolution machen auf ihrer Suche nach dem besseren Leben mit der Methode Versuch – Erfahrung viele Fehler. Deshalb sind über 95% aller Arten ausgestorben. Für die Bestrafung falscher Entscheidungen bei der Lebensgestaltung, die nicht mit Ziel und Weg der Höherentwicklung übereinstimmen,  sorgt die Selektion als Schiedsrichter über die Folgen.

In unbewusster Evolution machen Organismen mit fortgeschrittenem Bewusstesein mehr und gravierendere Fehler durch ihre weitreichenden Gestaltungsmöglichkeiten. Damit verfolgen sie Ziele und Wege mit leidvollen Folgen. Insbesondere versuchen sie an Zuständen festzuhalten,  von denen sie sich Vorteil versprechen, bei denen es sich jedoch um Vorteilsirrtümer handelt. Die führen herunter vom Weg zum Existenzoptimum.
Selbst leidvolle Ereignisse bewirken keine Abhilfe! Hellmuth Karasek schildert, dass für Ereignisse auf Gemeinschaftsebene. Das gilt auch im Leben der Einzelnen: Wir bleiben bei unserer Verhaltensweise, wiederholen die gleichen Fehler.

Der Grund: Wir ändern unsere grundsätzliche Lebensauffassung/Weltsicht nicht.
Die Ursache: Wir meinen, das Leben bliebe so, wie wir es gewohnt sind, mit Geburt – Unvollkommenheit – Tod. Daran sei nichts zu ändern. Wir sind so in diesem Lebensirrtum befangen, dass wir nicht die ewige Lehre der Evolution begreifen:
Was wir gestern für unmöglich hielten, ist heute möglich.
Was wir heute für unmöglich halten, ist morgen möglich.
Wir bleiben bei dem Unmöglich als Reaktion auf alles Ungewohnte, was wir uns nicht vorstellen können. Typisch für unbewusste Evolution.

Abhilfe kann nur das Umdenken bringen, das schon Jesus forderte, um durch unser schöpfungsgemäßes Verhalten das ‚Reich Gottes‘  zu verwirklichen: Der Übergang zur Bewussten Evolution. Dann operieren wir nach dem Leitsatz der Evolution:
Alles ist möglich: Das Existenzpessimum und das Existenzoptimum – die Hölle und das Paradies.
Wir kommen aus unserem Leidensweg nur heraus, können den Untergang unserer Art nur verhindern, wenn wir verstanden haben, dass wir selbst das ersehnte optimale Leben verwirklichen müssen, dass wir sogar dazu beauftragt sind, weil sich die Weltursache durch die Welt verwirklicht.
So steht es in der Bibel in Matthäus 5.48 und 3. Mose 19.2: Ihr sollt vollkommen und heilig sein wie Gott. Deshalb erforscht der Geist gemäß 1. Korinther 2.10 alle Dinge, selbst die tiefen Dinge Gottes. Und in Römer 1.20 sagt uns die Bibel, wie wir das machen sollen:   Durch wissenschaftliches Forschen nach dem Wesen der Weltursache im Weltgeschehen.

Dann steuern wir unser Einzel- und Gemeinschaftsleben nach den Gesetzen und Regeln des mathematisch-physikalischen Konzepts.
Dann geht das Enzel- und Gemeinschaftsverhalten nicht mehr auf Kosten anderer, die sich revolutionär wehren müssen –  dann aber wieder den gleichen Fehler machen.
Dann herrscht der von Darwin am Ende seines Werkes Die Entstehung der Arten angedeutete Endzustand:

Es ist wahrlich etwas Erhabenes in der Auffassung, dass der Schöpfer den Keim allen Lebens nur wenigen oder gar einer einzigen Form eingehaucht hat und dass aus einem so schlichten Anfang eine unendliche Zahl der schönsten und wunderbarsten Formen entstand und noch weiter entsteht. . . Aus dem Kampf der Natur, aus Hunger und Tod, geht also das Höchste hervor, das wir uns vorstellen können: die Erzeugung immer höherer und vollkommenerer Wesen. . . . Wir dürfen deshalb vertrauensvoll eine Zukunft von riesiger Dauer erhoffen.

Um diese Zukunft kurzfristig und mit den geringsten Leiden zu erreichen, sehen Organismen in Bewusster Evolution ihren Vorteil nicht mehr in äußeren Dingen, sondern in der eigenen Optimierung.